Infografik · Finanzmarktlogik & Ateliersterben

Warum Leerstand die Bilanz schützt

Institutionelle Investoren bewerten Immobilien nach dem, was sie theoretisch erwirtschaften könnten – nicht nach dem, was sie sind. Klicken Sie auf ein Szenario.

Bewertungsregel (IFRS 13 / IAS 40)
Der Wert einer Immobilie wird nach dem „Highest and Best Use" berechnet – der bestmöglichen theoretischen Nutzung.
Konsequenz für Eigentümer
Jeder Mietvertrag unter Marktniveau drückt den bilanzierten Wert der Immobilie nach unten.
Ergebnis auf der Straße
Leerstand wird rational. Günstige Vermietung wird zum bilanziellen Risiko.
🏢

Szenario A: Leer lassen

Die Fläche steht leer. In der Bilanz wird sie mit der theoretisch erzielbaren Marktmiete bewertet.

→ aktiv
🎨

Szenario B: Atelier vermieten

Ein:e Künstler:in mietet die Fläche für 8 €/m². Der reale Mietvertrag fließt in die Bewertung ein.

→ klicken
Bilanz-Simulation · 500 m² Gewerbefläche Berlin IAS 40 / IFRS 13
Angesetzte Miete (€/m²) 25,00 €
Marktmiete
Jahresertrag (kalkuliert) 150.000 €
Vollertrag
Fair Value der Immobilie (Ertragswert) 3.750.000 €
Buchwert stabil
Gewinn- & Verlustrechnung ± 0 €
Szenario A · Leerstand

Die Fläche ist leer – aber die Bilanz ist intakt. Der Gutachter bewertet nach „Highest and Best Use": Was könnte die Fläche theoretisch einbringen? Antwort: 25 €/m² (Berliner Büro-Durchschnitt). Der Fair Value bleibt bei 3,75 Mio. €. Kein Abschreibungsbedarf, keine unangenehmen Fragen vom Wirtschaftsprüfer. Der Fondsmanager behält seinen Bonus.

Vermietung an Künstler vernichtet Buchgeld.
Leerstand schützt die Bilanz.

Dies betrifft kapitalmarktorientierte Eigentümer, die nach IFRS bilanzieren – Fondsgesellschaften, börsennotierte Konzerne, internationale Investoren. Kleine Privatvermieter (HGB) sind von dieser Dynamik nicht betroffen.

Infografik: krautART ARTblog · Quellen: IAS 40, IFRS 13, Colliers Berlin Q3/2025