Menschlichkeit schlägt digitale Perfektion: der globale Kunstmarkt 2026

Malerei im globalen Primärmarkt

Es gibt diese Momente, in denen ein Medium totgesagt wird – und genau dann seine Relevanz beweist. Malerei erlebt gerade einen solchen Moment. Während generative KI in Sekundenbruchteilen fotorealistische Bilder ausspuckt, während NFTs ihren Hype-Zyklus hinter sich haben und digitale Perfektion zum visuellen Grundrauschen der Gegenwart geworden ist, passiert etwas Bemerkenswertes: Menschen kaufen Gemälde. Mehr als zuvor. Bewusster als zuvor. Und aus anderen Gründen als zuvor.

Der globale Kunstmarkt hat nach drei Jahren der Kontraktion eine neue Stabilität erreicht – allerdings eine, die grundlegend anders strukturiert ist als das, was wir vor der Pandemie kannten.1 Die spekulative Raserei um ultra-zeitgenössische Kunst, das sogenannte „Wet Paint”-Phänomen, bei dem Werke direkt aus dem Atelier in die Auktion wanderten, ist weitgehend verdampft. Was bleibt, ist ein Markt, der langsamer geworden ist, selektiver – und der die Malerei als sein Gravitationszentrum wiederentdeckt hat.

Dieser Artikel untersucht, was das konkret bedeutet: für Künstler:innen, die von ihrer Arbeit leben wollen. Für Sammler:innen, die verstehen möchten, wohin sich der Markt bewegt. Und für alle, die wissen wollen, warum gerade jetzt ein guter Zeitpunkt ist, sich mit dem Primärmarkt für Malerei auseinanderzusetzen – dem Ort, an dem Künstler:innen und Käufer:innen direkt aufeinandertreffen, ohne den Umweg über Auktionshäuser und Sekundärmarkt-Spekulation.

1. Die K-förmige Schere: Wer kauft was – und warum?

Der wichtigste strukturelle Befund für den Kunstmarkt 2026 lässt sich in einem Buchstaben zusammenfassen: K. Die Marktdynamik spaltet sich an zwei Extremen auf, während die Mitte unter erheblichem Druck steht.

Das erschwingliche Segment – Werke unter 5.000 Euro – ist der eigentliche Motor des Marktes. Hier finden die meisten Transaktionen statt: rund 85 Prozent aller weltweit verkauften Lose fallen in diese Preiskategorie.2 Die Käufer:innen sind überwiegend jung, digital sozialisiert und kaufen oft zum ersten Mal. Laut dem Art Basel & UBS Survey of Global Collecting 2025 haben 66 Prozent der Sammler:innen angegeben, Werke von Künstler:innen erworben zu haben, die sie erst in den vergangenen zwei Jahren entdeckt hatten – häufig über Instagram, Online-Galerien oder virtuelle Ausstellungen.3

Das mittlere Preissegment – zwischen 10.000 und 100.000 Euro – steckt dagegen in einer strukturellen Krise. Hier kumulieren sich mehrere Probleme: makroökonomischer Druck durch anhaltend hohe Zinsen, steigende Logistikkosten im internationalen Handel, und eine zunehmende Zurückhaltung von Sammler:innen, die in diesem Bereich eine stärkere institutionelle Absicherung fordern, bevor sie investieren.4 Viele Galerien beschreiben dieses Segment als das problematischste – Käufer:innen weichen entweder auf sehr junge, erschwingliche Positionen oder auf etablierte Blue-Chip-Werke aus.

Was bedeutet das für Künstler:innen? Die ehrliche Antwort: Wer seinen Lebensunterhalt mit Malerei bestreiten will, findet die größte Marktliquidität derzeit im Bereich unter 2.000 Euro. Diese Werke fungieren als „Einstiegsluxus” für eine wachsende Gruppe junger Berufstätiger, die Kunst als Teil eines bewusst kuratierten Lebensraums verstehen – als identitätsstiftendes Element, als ästhetische Positionierung.5

Infografik Kunstmarkt 2026 – K-förmiger Markt, Primärmarkt-Trends, Malerei

2. Der Primärmarkt im Umbruch: Das Ende des Gatekeeper-Systems

Die vielleicht tiefgreifendste Veränderung der vergangenen Jahre betrifft die Struktur des Primärmarkts selbst. Das traditionelle Modell – Künstler:in arbeitet, Galerie verkauft, Sammler:in kauft – bröckelt an allen Ecken.

Die Erosion des Kommissionsmodells

Kommerzielle Galerien, die bis zu 60 Prozent des Verkaufspreises als Provision einbehalten, stehen unter massivem Legitimationsdruck.6 Gleichzeitig zeigen Daten, dass über 40 Prozent der Sammler:innen heute direkt bei Künstler:innen kaufen oder Werke in Auftrag geben – Tendenz steigend.7 Die Gründe liegen auf der Hand: Sammler:innen wollen die Geschichte hinter einem Werk kennen, wollen wissen, wer es gemalt hat und warum. Der Kauf wird zunehmend als soziale Beziehung verstanden, als Akt des persönlichen Austauschs.

Plattformen wie die „Fair Art Fair”-App, die auf einem Abonnement-Modell basiert und provisionsfrei arbeitet, gewinnen an Bedeutung.8 Künstler:innen zahlen eine monatliche Gebühr, Sammler:innen ebenso – und Verkäufe werden direkt zwischen den Parteien abgewickelt. Das klingt nach Disruption, ist aber im Grunde eine Rückkehr zu einem sehr alten Prinzip: dem direkten Verhältnis zwischen der Person, die ein Werk schafft, und der Person, die es besitzen möchte.

Der Aufstieg des „Communicator-Leaders”

Für Künstler:innen hat dieser Wandel eine unbequeme Konsequenz: Die rein studio-basierte Praxis – arbeiten und darauf hoffen, entdeckt zu werden – funktioniert für die große Mehrheit schlicht nicht mehr. Erfolgreiche Künstler:innen agieren 2026 als „Communicator-Leaders”: Sie teilen den Entstehungsprozess, bieten Einblicke in ihre Arbeitsweise, erzählen ihre Geschichte.9 Das ist kein Marketing-Gimmick, sondern ein fundamentaler Shift. Die emotionale Bindung zwischen Künstler:in und Sammler:in entsteht heute oft lange vor dem eigentlichen Kauf – über soziale Medien, Newsletter, Atelierbesuche, digitale Werkgespräche.

Die Galerie verschwindet dabei keineswegs. Aber ihre Rolle verändert sich: Statt exklusiver Gatekeeper zu sein, fungiert sie zunehmend als kuratorischer Filter, als Partnerin für institutionelle Validierung und strategische Beratung.10 Wer als Galerie überleben will, muss einen Mehrwert bieten, der über das bloße Zur-Verfügung-Stellen von Wandfläche hinausgeht.

Neue Patronage-Modelle

Eines der spannendsten Phänomene im Primärmarkt 2026 sind moderne Patronage-Programme, die das uralte Mäzenatentum in zeitgenössische Formen übersetzen. Sammler:innen zahlen über einen definierten Zeitraum – etwa sechs Monate – monatliche Beiträge und verfolgen parallel den Entstehungsprozess neuer Werke im Atelier, digital oder vor Ort. Am Ende wählen sie ein Originalwerk aus.11 Dieser Ansatz transformiert den Kunstkauf von einer Einzeltransaktion in eine echte Beziehungserfahrung – und bietet Künstler:innen etwas, das sie dringend brauchen: planbare Liquidität.

In Anlehnung an die Creator Economy setzen immer mehr Maler:innen auf das Prinzip der „1.000 True Fans”: Statt auf Massenmärkte zu schielen, konzentrieren sie sich auf eine loyale Basis von Unterstützer:innen, die über Plattformen wie Patreon oder vergleichbare Angebote ein stabiles Grundeinkommen ermöglichen.12

Cornelia Es Said, Europa – Akt mit Außengrenzen, figurative Ölmalerei

‘Europa – Akt mit Aussengrenzen’ von cornelia es said, Acryl auf Leinwand, 100 x 140 cm

3. Europa: Drei Marktmodelle und ein starker regionaler Puls

Europa bleibt der dichteste Produktionsraum für Malerei weltweit. Der Markt ist fragmentierter als sein US-amerikanisches Pendant, zeigt dafür aber eine Vielfalt an funktionierenden Ökosystemen, die Künstler:innen auf verschiedenen Karrierestufen reale Chancen bieten.

Das Galerie-Cluster-Modell: Berlin, Brüssel, Lissabon, Athen

In Städten mit vielen kleinen und mittleren Galerien, starken lokalen Sammlerszenen und vergleichsweise niedrigen Einstiegspreisen entsteht eine lebendige Dynamik, die besonders Emerging und Mid-Career-Künstler:innen zugutekommt. Berlin, mit seinen über 400 Galerien und seinem Ruf als internationales Atelierlabor, bleibt zentral – allerdings unter wachsendem Druck durch steigende Mieten und das fortschreitende Ateliersterben.

Brüssel hat sich in den vergangenen Jahren still und beharrlich zu einem der wichtigsten Hubs für junge Malerei in Europa entwickelt. Lissabon und Athen profitieren von niedrigeren Lebenshaltungskosten und einer wachsenden internationalen Aufmerksamkeit.

Das Luxus-Ökosystem: Paris, Mailand, London

Hier verschmelzen Kunstmarkt und Luxusindustrie. In Paris finanzieren Luxuskonzerne – von LVMH bis Kering – zunehmend Kunstinstitutionen und Sammlungen, was die Stadt wieder stärker als Marktzentrum positioniert.13 Paris hat in den vergangenen zwei Jahren erheblich an Gravitationskraft gewonnen – die Verlegung der Art Basel Paris (ehemals Paris+) hat diesen Trend beschleunigt.

London navigiert unterdessen die Nachwirkungen des Brexit, der die Mobilität von Kunstwerken und Künstler:innen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU weiterhin erschwert. Trotzdem bleibt London ein relevanter Handelsplatz, insbesondere für den Sekundärmarkt und etablierte Positionen.

Die postsowjetische Renaissance: Warschau, Bukarest, Budapest

Osteuropa ist derzeit einer der dynamischsten Malereimärkte des Kontinents. Niedrige Preise, starke lokale Sammlerszenen und eine Generation hervorragend ausgebildeter Künstler:innen machen Städte wie Warschau, Bukarest und Budapest zu dem, was erfahrene Marktbeobachter:innen als „unterbewertete Talentmärkte” bezeichnen.

Die Art Basel 2026 und das Thema „Conviviality”

Die Art Basel in Basel setzt für 2026 auf das Thema „Conviviality” – die Freude und Herausforderung des Zusammenlebens.14 Das spiegelt einen breiteren europäischen Trend: Weg vom generischen Internationalismus der 2010er Jahre, hin zu einer „echten regionalen Distinktion”. Kleinere, regional fokussierte Messen gewinnen an Bedeutung, weil sie genau das bieten, was die Mega-Messen oft vermissen lassen: Tiefe statt Breite, Beziehung statt Transaktion.

Regulierung und Nachhaltigkeit als europäisches Alleinstellungsmerkmal

Ein Faktor, der den europäischen Markt zunehmend von anderen Regionen unterscheidet, ist die regulatorische Einbettung. EU-Richtlinien zur Förderung nachhaltiger Produktion haben dazu geführt, dass Künstler:innen und Galerien stärker auf die ökologische Bilanz ihrer Arbeit achten – von ungiftigen Pigmenten über nachhaltig produzierte Leinwände bis hin zu CO₂-neutralen Transportwegen.15 Sammler:innen in Europa betrachten diese Faktoren zunehmend als Qualitätsmerkmal. Sammeln wird zum Akt der ethischen Positionierung – was in der Recherche-Dokument treffend als „Conscious Collection” beschrieben wird.

4. Die ästhetische Zäsur: Was wird gemalt, was wird gekauft?

Die Malerei im Jahr 2026 reagiert auf ein kulturelles Paradox: Je perfekter die digitale Bildproduktion wird, desto stärker wächst die Sehnsucht nach dem sichtbar Menschlichen. Das ist kein Zufall und kein sentimentaler Rückzug. Es ist eine logische Marktreaktion auf die Allgegenwart generativer KI-Bilder.

Naive Malerei und die Ästhetik der bewussten Imperfektion

Einer der stärksten Trends im Primärmarkt ist die Hinwendung zur naiven Malerei und zur bewussten Unvollkommenheit. Lockere Linienführung, verzerrte Proportionen, rohe Oberflächen – was noch vor wenigen Jahren als mangelnde Technik missverstanden worden wäre, wird 2026 als Zeichen menschlicher Autorenschaft geschätzt. In einer Welt, die durch KI-generierte Bilder gesättigt ist, wirkt die sichtbare Pinselführung als Authentizitätsgarantie.16

Institutionell ist dieser Trend inzwischen breit validiert. Sammler:innen reagieren auf diese Arbeiten, weil sie eine emotionale Direktheit besitzen, die in einer automatisierten Welt zur Mangelware wird. Die Bewegung ist eng verknüpft mit einem Wiederstarken von Punk- und Grunge-Ästhetiken: raue Oberflächen, geschichtete Texturen, Cut-outs, die Integration von Typografie – materielle Disruption als Form des Widerstands gegen die visuelle Sauberkeit des Digitalen.17

Neo-Figuration: Identität, Erinnerung, Zugehörigkeit

Parallel zur naiven Ästhetik hat sich die Neo-Figuration als zweites großes Kraftzentrum der zeitgenössischen Malerei etabliert. Es geht dabei explizit nicht um eine Rückkehr zum klassischen Realismus, sondern um einen intellektuell fundierten Ansatz, der Themen wie Identität, den Körper, das Gedächtnis und kulturelle Zugehörigkeit verhandelt.18

Besonders Künstler:innen der afrikanischen Diaspora nehmen hier eine zentrale Rolle ein – ihre Arbeiten thematisieren oft komplexe Narrative der Migration, der historischen Neubewertung, der postkolonialen Identität. In der Porträtmalerei zeigt sich eine markante Abkehr von der Ähnlichkeit: Figürliche Verzerrung wird zum Werkzeug, um die Instabilität zeitgenössischer Identität im Zeitalter digitaler Filter und sozialer Medien sichtbar zu machen.19

Persönlicher Surrealismus und atmosphärische Abstraktion

Der Surrealismus des Jahres 2026 unterscheidet sich grundlegend von seinen historischen Vorläufern. Er basiert auf hochgradig individuellen, fast hermetischen Narrativen – private Mythologien aus persönlichen Symbolen und Erinnerungen.20 Das Centenarium des Surrealismus (1924–2024) und rekordverdächtige Auktionsergebnisse – Frida Kahlos „Diego y yo” etwa erzielte 54,7 Millionen US-Dollar – haben die Aufmerksamkeit für surreale Positionen erneut geschärft.

Ergänzt wird dies durch einen Trend zur atmosphärischen Abstraktion: Unschärfe, granulare Texturen, diffuse Silhouetten. Statt visuelle Klarheit zu bieten, schaffen diese Werke Räume, die Betrachter:innen durch eigene Erinnerungen und Assoziationen vervollständigen. Diese „weiche” Malerei korrespondiert mit dem gesellschaftlichen Wunsch nach Entschleunigung und taktiler Wahrnehmung.

Material- und Prozessmalerei

Gerade in Europa stark: Die Malerei verlässt die flache Ebene. Sammler:innen sind fasziniert von Werken, die man „fast berühren möchte” – Mixed Media mit Stoffresten, Metallblättern, Fundstücken; Strukturpasten, die an organische Oberflächen erinnern; die Integration von Textilkunst und Stickerei auf Leinwand.21 Die sichtbare Arbeit – der Zeitaufwand, die physische Anstrengung – wird in einer KI-dominierten Welt zum Qualitätsmerkmal. Der Einfluss reicht von Arte Povera über Street Art bis zur Punk-Ästhetik.

Bemerkenswert: Daten aus dem Primärmarkt zeigen, dass der Verkauf von kleinformatigen Gemälden (unter ca. 100 × 100 cm) um fast 70 Prozent gestiegen ist.22 Der „Domestic Scale”-Trend reflektiert den Wunsch nach Intimität und wohnlicher Einbettung. Kunst soll den privaten Lebensraum bereichern, Stillleben, häusliche Szenen und intime Landschaften erleben eine Renaissance.

Ölgemälde „Transmission“ zeigt eine zentrale Figur mit Fliegerbrille und weit ausgebreiteten Armen in einer ekstatischen Pose vor einem türkis-blauen Hintergrund. Die dynamische Komposition nutzt kräftige Pinselstriche in Orange, Violett und Teal, um ein Gefühl von Energie und Befreiung zu vermitteln.

‘Transmission’ von cornelia es said, Öl auf Leinwand, 60 x 150 cm, aus der Serie ‘Digital Shamans’

5. Malerei und KI: Kompositorische Inspiration statt digitaler Ersatz

Die Debatte um KI und Kunst hat 2026 eine neue Reife erreicht. Die anfängliche Panik – „KI ersetzt die Malerei” – ist einer differenzierteren Haltung gewichen. In der Praxis nutzen Künstler:innen generative KI-Modelle zunehmend als kompositorische Inspiration: KI-Outputs dienen als Ausgangspunkte, die durch den malerischen Prozess interpretiert und transformiert werden – als Einstieg in eine Bildidee, die erst auf der Leinwand ihre endgültige Form findet.

Dabei ist Transparenz entscheidend: Sammler:innen und Institutionen unterscheiden klar zwischen der Nutzung von KI als Werkzeug im kreativen Prozess und dem bloßen Übermalen von KI-generierten Bildern. Der Primärmarkt honoriert Arbeiten, die eine genuine menschliche Transformation erkennbar machen – die sichtbare Spur der denkenden, entscheidenden, riskierenden Hand.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, was KI-Trainingsdaten eigentlich sind – und was ihnen fehlt. Die „digitalisierte Kollektivintelligenz”, auf der generative Modelle basieren, ist inhärent unvollständig: Mündliche Überlieferungen, nicht digitalisierte Bücher, Musik und marginalisierte Wissenssysteme sind darin kaum oder gar nicht repräsentiert. Für Künstler:innen, die mit KI arbeiten, wird diese Lücke zum Ausgangspunkt kritischer Reflexion – die Frage lautet: Was erzählt das Bild, das die Maschine generiert, über die Welt, und was verschweigt es?

Urheberrechtlich bleibt die Lage im Fluss. Die 1,5-Milliarden-Dollar-Einigung im Fall Bartz v. Anthropic vom September 2025 könnte einen Präzedenzfall für die Vergütung von Künstler:innen setzen, deren Werke ohne Zustimmung als Trainingsdaten verwendet wurden.23 Werkzeuge wie Glaze und Nightshade, die den Schutz vor unerlaubtem Scraping ermöglichen, werden von einer wachsenden Zahl von Maler:innen eingesetzt. Die Debatte ist lang noch nicht beendet – aber sie wird geführt, und sie verändert die Spielregeln.siert.↩︎

6. Afrika: Institutionelle Reife und die Kraft der Porträtmalerei

Der afrikanische Kontinent hat 2026 den Status der „Neuheit” im globalen Kunstmarkt endgültig hinter sich gelassen. Er wird als integraler und stabiler Teil des zeitgenössischen Kanons wahrgenommen – gestützt durch eine wachsende institutionelle Infrastruktur und eine Generation von Künstler:innen, deren Arbeit international rezipiert wird, ohne ihre lokale Verankerung aufzugeben.24

Porträtmalerei als politisches Werkzeug

Ein dominanter Trend in der afrikanischen Malerei ist die Porträtmalerei als Instrument der Selbstbehauptung und politischen Imagination. Ausstellungen wie „Ideas of Africa” am Museum of Modern Art (MoMA) verdeutlichen die transformative Kraft der figürlichen Darstellung: Das Porträt fungiert hier als generatives Werkzeug zur Verhandlung von Identität, Gender und diasporischen Erfahrungen.25

Daneben prägt ein neuer urbaner Realismus den Primärmarkt: Künstler:innen integrieren die Zeichenhaftigkeit des städtischen Alltags in großformatige Gemälde. Gleichzeitig spielt die Aufarbeitung historischer Archive eine zentrale Rolle – koloniale Fotografien und Dokumente werden in der Malerei verarbeitet, um verlorene Geschichten zurückzugewinnen.26

Die Dominanz von Künstlerinnen und der unternehmerische Impuls

Ein Alleinstellungsmerkmal des afrikanischen Marktes: Die Spitzenpreise werden vorwiegend von Künstlerinnen erzielt. Namen wie Julie Mehretu, Marlene Dumas oder Njideka Akunyili Crosby setzen die Standards – mit Vorbildwirkung für den Primärmarkt, in dem junge Künstlerinnen verstärkt gefördert werden.27

Im Primärmarkt zeigt sich ein starker Trend zum „unternehmerischen Künstler”. Da der Zugang zu traditionellen Finanzierungsquellen oft schwierig ist, nutzen Künstler:innen in Lagos, Nairobi oder Kapstadt verstärkt Direktvertriebsmodelle über soziale Medien. Sie bauen eigene Netzwerke auf, gründen Kollektive und nutzen Workshops sowie Merchandising, um ihre wirtschaftliche Basis zu verbreitern.28

Die 1-54 Contemporary African Art Fair bietet dabei eine zentrale Plattform für den direkten Austausch zwischen Künstler:innen und internationalen Sammler:innen. Die ART X Lagos hat sich als wichtigste Messe für zeitgenössische afrikanische Kunst auf dem Kontinent selbst etabliert. Die Preisentwicklung im Primärmarkt zeigt eine gesunde, nachhaltige Dynamik – weniger spekulationsgetrieben als kritisch validiert.29

7. Asien, Naher Osten und Ozeanien: Neue Pole, alte Wissenssysteme

Die Golfregion als kulturelles Epizentrum

2026 markiert einen Wendepunkt für den Kunstmarkt im Nahen Osten. Mit der Eröffnung des Guggenheim Abu Dhabi und zahlreicher weiterer Museen hat sich die Region als globaler Kapitalgeber für zeitgenössische Kunst positioniert.30 Über 76 Prozent der Marktexpert:innen bewerten die Aussichten für die Golfregion als optimistisch.31

In der Malerei zeigt sich eine faszinierende Verbindung von Kalligrafie, dekolonialer Ästhetik und moderner Abstraktion. Die Biennalen der Region – insbesondere die Diriyah Contemporary Art Biennale – setzen auf Intimität und historische Reklamation.

Südostasien: Die „archipelagische Logik”

In den Kunstzentren von Manila, Bangkok und Jakarta hat sich eine junge Künstlergeneration etabliert, die indigene Wissenssysteme mit zeitgenössischen Fragen verbindet. Malerei wird hier oft als Teil einer multidisziplinären Praxis begriffen, die sich zwischen digitaler Illustration, traditionellen Pigmenten und sozialen Projekten bewegt.32

Ozeanien: Indigene Souveränität und Landverbundenheit

In Australien und Neuseeland dominieren 2026 Perspektiven der First Nations den Diskurs. Die große Ausstellung „Rising Voices: Contemporary Art from Asia, Australia and the Pacific” am V&A und bei der Queensland Art Gallery verdeutlicht diesen Trend.33 Die 25. Biennale von Sydney, kuratiert von Hoor Al Qasimi unter dem Titel „Rememory” (nach Toni Morrisons Konzept), stellte indigene Perspektiven und marginalisierte Narrative ins Zentrum – 15 neue Auftragsarbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit indigenen Künstler:innen.34

Der ozeanische Primärmarkt zeichnet sich durch ein anderes Marktmodell aus: Viele Werke entstehen kollektiv, Einnahmen fließen teilweise in Gemeinschaften zurück. Die Materialität ist direkt aus der Natur entlehnt – Naturpigmente, Muschelschalen, Kokosfasern, traditionelle Webtechniken werden in die Malerei integriert. Das widerspricht dem westlichen Künstler-Genie-Narrativ auf produktive Weise – und erweitert das Verständnis davon, was Malerei sein kann.

8. Südamerika: Ökologischer Widerstand und narrative Resilienz

Südamerika hat traditionell eine starke Malereikultur, und der Markt zeigt sich 2026 besonders resilient gegenüber globalen Krisen – Kunst fungiert hier als „Safe Haven” für kulturelle Identität und langfristige Werte.35

Die „Amazonia Açu”-Bewegung

Ein herausragendes Phänomen ist die „Amazonia Açu”-Bewegung, die über nationale Grenzen hinweg Künstler:innen vereint, die sich mit dem Amazonas-Regenwald auseinandersetzen. Ihre Malerei zeichnet sich durch die Verwendung natürlicher Materialien aus: Papier aus Zuckerrohr, Pigmente aus Mineralien und Pflanzen, Motive aus indigenen Traditionen der Körperbemalung.36 Diese Werke sind im Primärmarkt hochbegehrt, weil sie eine phänomenologische Erfahrung bieten, die tief in der Realität des Kontinents verwurzelt ist.

Brasilien und Kuba

Der brasilianische Primärmarkt boomt, angetrieben durch Messen wie die SP-Arte und Este Arte in Uruguay. Kubanische Kunst wird 2026 als besonders „unterbewertet” eingestuft und zieht vermehrt internationale Sammler:innen an, die in Werke investieren möchten, die historisches Gewicht und ästhetische Innovation vereinen.37

Afro-brasilianische Spiritualität, indigene Kosmologien und die kritische Auseinandersetzung mit Rohstoffpolitik prägen die ästhetischen Debatten. Der Trend zur „Eco-Conscious Art” – Upcycling, die Verwendung wiederverwerteter Materialien, natürliche Pigmente – verbindet sich hier auf organische Weise mit politischer Dringlichkeit.

Cornelia Es Said, politische Karikatur, Sépia-Zeichnung

9. Die USA unter Trump: Abschottung, Streichungen und ihre globalen Folgen

Ein Artikel über den globalen Kunstmarkt 2026 kommt um die Situation in den USA nicht herum – allerdings verdienen die USA hier eine andere Analyse als die übliche Marktberichterstattung.

Zölle und „Fortress America”

Am 2. April 2025 verkündete Präsident Trump im Rahmen des sogenannten „Liberation Day” ein umfassendes Zollpaket: eine pauschale Abgabe von 10 Prozent auf nahezu alle Importe, ergänzt durch höhere „reziproke” Zölle für über 60 Länder – bis zu 54 Prozent für China, 20 Prozent für die EU.38 Kunstwerke sind zwar formal von den Zöllen ausgenommen – eine Faktenlage, die im April 2025 zunächst für erhebliche Verwirrung sorgte –, die indirekten Folgen treffen den Markt trotzdem massiv.39

Die Auswirkungen betreffen vor allem die Infrastruktur: Verpackungsmaterialien, Rahmen, Aluminium, Stahl (für Skulpturen und Installationen), Holz für Kisten – all das unterliegt den Zöllen und verteuert den internationalen Transport erheblich. Die Zollabwicklung hat sich drastisch verlangsamt. Internationale Galerien überdenken ihre Teilnahme an US-Messen, reduzieren Booth-Größen oder verzichten ganz.40

Für europäische Künstler:innen, die auf dem US-Markt aktiv sind, bedeutet das: höhere Logistikkosten, längere Lieferzeiten, mehr bürokratischer Aufwand. US-Galerien wiederum setzen verstärkt auf amerikanische Künstler:innen, um Importkosten zu vermeiden41 – eine Entwicklung, die den ohnehin existierenden US-Zentrismus im Kunstmarkt weiter verschärft.

Streichung öffentlicher Kunstförderung

Gravierender noch als die Zollpolitik: Die Trump-Administration hat im Mai 2025 die Eliminierung des National Endowment for the Arts (NEA) in ihrem Budget-Entwurf für 2026 vorgeschlagen – des größten öffentlichen Kunstförderers der USA, finanziert mit 207 Millionen Dollar jährlich.42 Hunderte von Kunstorganisationen erhielten per E-Mail die Nachricht, dass ihre Grants gestrichen wurden. Die NEA priorisiert seither Projekte, die „das reiche künstlerische Erbe Amerikas feiern” und „KI-Kompetenz fördern” – eine Formulierung, die Kritiker:innen als „Zensur durch Bürokratie” bezeichnen.43

Das Challenge America-Programm, das Fördermittel für unterversorgte Gemeinschaften bereitstellte, wurde ersatzlos gestrichen.44 Die Auswirkungen gehen über direkte Geldmittel hinaus: Jeder vom NEA vergebene Dollar generierte nach Branchenschätzungen neun weitere aus privaten und lokalen Quellen. Das Wegbrechen dieses Multiplikators trifft lokale Kunstvereine, kleine Theater, Bildungsprojekte und Künstler:innen-Residencies in der Fläche.

Für den US-Pavillon der Venedig Biennale 2026 schrieb das State Department eine Ausschreibung aus, die „American Exceptionalism” einforderte45 – ein Vorgang, der in der internationalen Kunstwelt mit Befremden aufgenommen wurde.

Was das für internationale Künstler:innen bedeutet

Die Summe dieser Entwicklungen – Zollmauern, bürokratische Hürden, Streichung öffentlicher Förderung, ideologische Lenkung – verändert die Kalkulation für internationale Künstler:innen, die auf dem US-Markt aktiv sind oder es werden wollen. Der Trend geht eindeutig in Richtung Regionalisierung: Europäische Galerien konzentrieren sich stärker auf EU-basierte Werke, asiatische Kunsthubs wie Hongkong nutzen ihren Status als Freihandelszone.46 Die „Fortress America”-Mentalität produziert ihre eigene Gegenbewegung: einen dezentraleren, multipolareren Kunstmarkt, in dem die USA nur ein Markt unter vielen sind.

10. Die Venedig Biennale 2026: „In Minor Keys” – ein postumer Leuchtturm

Kein Überblick über das Kunstjahr 2026 ohne die Venedig Biennale. Die 61. Internationale Kunstausstellung, die am 9. Mai 2026 eröffnet und bis zum 22. November läuft, steht unter dem Titel „In Minor Keys” – kuratiert von Koyo Kouoh, die im Mai 2025 unerwartet verstorben ist.47

Kouoh, erste afrikanische Kuratorin der Biennale, hatte ihre Vision bereits weitgehend ausgearbeitet: das theoretische Gerüst, die Auswahl der 111 teilnehmenden Künstler:innen, die Gestaltung der Ausstellungsräume, die Grafische Identität. Die Biennale wird ihr Projekt so umsetzen, wie sie es konzipiert hat – ein außergewöhnlicher Akt der institutionellen Treue und menschlichen Würdigung.48

Die musikalische Metapher ist programmatisch: Molltonarten erzeugen Stimmungen des Nachdenklichen, des Melancholischen. Kouohs Biennale verweigert orchestralen Bombast und setzt statt dessen auf leise Harmonien, auf relationale Geografie, auf die Begegnung zwischen Kunstpraktiken aus Salvador, Dakar, San Juan, Beirut, Paris oder Nashville.49 Free Jazz als Strukturprinzip: unvorhersehbar, polyphon, befreiend.

Die Teilnehmer:innenliste reicht von Laurie Anderson und Kader Attia über Sammy Baloji und Carolina Caycedo bis hin zu Artist-Led Organisations wie der RAW Material Company in Dakar (von Kouoh selbst mitgegründet) oder blaxTARLINES in Kumasi.50 Ein signifikanter Anteil der 111 Teilnehmenden stammt aus dem Globalen Süden – eine konsequente Verschiebung der Perspektive, die den Markttrends entspricht.

Für Maler:innen sendet die Biennale 2026 ein klares Signal: Die Zukunft der Kunst liegt in der Vielfalt ihrer Stimmen, in der Materialität ihrer Praxis, in der Tiefe ihrer Beziehungen – und sie lässt sich durch Markthypes und geopolitische Erschütterungen nicht aus der Bahn werfen.

Ölmalpinsel im Atelier – Werkzeuge figurativer Malerei, B.L.O. Ateliers Berlin

11. Wovon Maler:innen 2026 tatsächlich leben: Drei funktionierende Modelle

Die nüchterne Analyse: Von der „wichtigsten” Kunst allein lässt sich selten leben. Die stabilsten Einkommen im Primärmarkt erzielen Künstler:innen, die strategisch diversifizieren.

Modell 1: Die „Branded Artist”-Strategie

Erfolgreiche Künstler:innen des Jahres 2026 verstehen sich als hybride Akteure. Ihre Einkommensstruktur setzt sich typischerweise zusammen aus:

Originalverkäufe bilden das Rückgrat – hochwertige Unikate für Sammler:innen, die einen persönlichen Bezug zum Werk und zur Person dahinter suchen.

Editionen und hochwertige Drucke ermöglichen es, ein breiteres Publikum zu erreichen. Giclée-Drucke und limitierte Auflagen auf Papier sind zur tragenden Säule geworden – sie bieten Einstiegspreise für junge Sammler:innen und eine skalierbare Einnahmequelle für Künstler:innen.51

Bildungsangebote – Online-Workshops, Mentoring, Behind-the-Scenes-Content – sind ein stabiler Wachstumsmarkt. Die Wissensökonomie bietet Maler:innen die Möglichkeit, ihre technische Expertise zu monetarisieren, ohne Werke verkaufen zu müssen.52

Lizenzen und Kollaborationen verwischen die Grenze zwischen freier Kunst und Design. Malerei wird für Textildesigns, Buchcover, digitale Assets lizenziert – ein Feld, das gerade am Anfang steht.

Modell 2: Der „Signature-Style”-Maler

Klar wiedererkennbarer Stil, Serienproduktion, mittlere Preise – das funktioniert besonders gut im Bereich figurativer Malerei, Landschaft und narrativer Serien. Der Schlüssel liegt in der Konsistenz: Sammler:innen bauen eine Beziehung zu einem „Look” auf, der sie durch ihre Räume begleitet.

Modell 3: Politische und konzeptuelle Malerei mit institutioneller Unterstützung

Hier kommt Einkommen aus Ausstellungen, Stipendien, Residencies, öffentlicher Förderung und kuratorischen Projekten. Der Verkauf allein trägt in diesem Modell selten den Lebensunterhalt. Dafür bieten sich Chancen in einem wachsenden Feld der „Socially Engaged Arts” – Künstler:innen, die eng mit Gemeinschaften zusammenarbeiten und durch Stiftungen oder staatliche Programme gefördert werden.53

Die Materialfrage

Ein sozioökonomisch interessantes Detail: Acrylfarben dominieren 2026 mit einem Marktanteil von fast 30 Prozent die Produktion – vor allem weil sie schneller trocknen und damit eine höhere Produktionsgeschwindigkeit ermöglichen.54 In einem Markt, der nach „Narrative Velocity” verlangt – also der Fähigkeit, schnell auf Trends zu reagieren und Werke zeitnah auszuliefern –, ist die Materialwahl unmittelbar mit der ökonomischen Überlebensfähigkeit verknüpft.

Ölmaler:innen, die bewusst auf die langsame Technik setzen, positionieren sich dagegen als Gegenpol: Ihre Arbeitszeit wird zum Luxusgut, ihre Geduld zum Verkaufsargument.ert.↩︎

12. Warum Menschen 2026 Kunst kaufen: Der emotionale Subtext

Die Kaufmotivationen haben sich spürbar verschoben. Vier Triebkräfte dominieren:

Identität statt Investment. Sammler:innen wollen Werke, die ihre Werte spiegeln, von Künstler:innen, deren Biografie sie kennen. Der Kauf eines Gemäldes ist heute stärker als je zuvor ein Akt der Selbstdefinition.55

Beziehung. Der Trend zu Atelierbesuchen, Kommissionsarbeiten und langfristigen Sammlerbeziehungen wächst. Kunst wird als „Beziehungserfahrung” verstanden, als soziale Verbindung zwischen zwei Menschen.56

Erdung und psychologisches Gegengewicht. Malerei fungiert für viele Käufer:innen als Gegenpol zur technologischen Überforderung – ein Rückzugsort in ästhetische Welten, die Ruhe, Haptik und „Quiet Luxury” vermitteln.57

Atmosphärisches Wohnen. Sammler:innen kuratieren zunehmend ganze Lebensräume. Kunst ist Teil eines ästhetischen Gesamtkonzepts – nicht mehr das isolierte Prestigeobjekt an der Wand, sondern integraler Bestandteil einer bewusst gestalteten Umgebung. Die Art Basel & UBS-Studie zeigt: 52 Prozent der jüngeren Sammler:innen kaufen Kunst mit Blick darauf, wie sie ihren Lebensstil ergänzt.58

13. Geopolitik und Mobilität: Wenn Malerei Grenzen überqueren muss

In einer Welt der Zollmauern und regulatorischen Festungen ist die physische Mobilität von Kunstwerken zu einem entscheidenden Faktor geworden. Top-Sammler:innen fragen heute: „Kann dieses Asset problemlos eine Grenze überqueren?“59

Die Konsequenzen für die Malerei sind konkret: Großformate werden seltener, weil ihr Transport teurer und komplizierter geworden ist. Transportable Formate und Werke auf Papier gewinnen an Attraktivität. Blockchain-basierte Provenienz-Zertifikate werden im Primärmarkt zunehmend zur Standardpraxis, weil sie die digitale Verifizierbarkeit von Echtheit und Herkunft ermöglichen – unabhängig von Ländergrenzen.

Gleichzeitig entstehen Freihafen-Strategien: Hongkong, die Schweiz, Singapur und die Golfregion nutzen ihre zollrechtlichen Sonderstatus, um als Drehscheiben für den internationalen Kunsthandel zu fungieren. Für Künstler:innen und Galerien in Europa bedeutet das: Die Wahl des Lagerorts und der Versandroute ist strategischer geworden als je zuvor.telsegments werden dort detailliert analysiert.↩︎

14. Fazit: Die Malerei ist das Gegengewicht

Der Kunstmarkt 2026 bewegt sich in eine paradoxe Richtung: Je digitaler die Welt wird, desto stärker wächst der Wunsch nach materieller, handgemachter Malerei. Das ist kein sentimentaler Rückzug, sondern eine kulturelle Gegenreaktion von erheblicher Kraft.

Für Künstler:innen ergibt sich daraus ein ambivalentes, aber handlungsfähiges Bild:

Die gute Nachricht: Der Primärmarkt bietet heute mehr Wege zum Erfolg als je zuvor. Direktvertrieb, Patronage-Modelle, hybride Einkommensstrukturen, regionale Messen, digitale Plattformen – die Werkzeuge sind da.

Die schwierige Nachricht: Autonomie erfordert unternehmerisches Denken. Wer als Maler:in 2026 seinen Lebensunterhalt bestreiten will, muss mehr sein als nur die Person, die malt. Storytelling, Community-Aufbau, strategische Preisgestaltung, ökologische Verantwortung – all das gehört zur Praxis dazu.

Die wichtigste Nachricht: In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz fotorealistische Bilder in Sekunden produziert, ist die sichtbare Pinselführung, die Textur, das bewusste Risiko das wertvollste Verkaufsargument. Nicht trotz KI, sondern wegen ihr. Die Malerei hat sich als Medium behauptet, indem sie sich auf ihre ureigene Stärke besinnt: die physische Präsenz, die emotionale Resonanz, die Fähigkeit, komplexe Identitäten in einer fragmentierten Welt zu verorten.

Der Primärmarkt des Jahres 2026 ist kein Ort für die, die auf den großen Hype warten. Er ist ein Ort für die, die etwas zu sagen haben – und die Geduld mitbringen, es auf eine Leinwand zu bringen.s werden dort detailliert analysiert.↩︎

Quellen

  1. „The Ultimate Art Market 2026 Report: Survive the Revolutionary Shift.” Aurora Athena, 2026. auroraathena.com/journal/insights/art-market-2026-report/↩︎
  2. „The Ultimate Art Market 2026 Report.” Aurora Athena, 2026. Die K-förmige Divergenz und die Krise des Mittelsegments werden dort detailliert analysiert.↩︎
  3. „Art Market Outlook 2026.” Trium Art Gallery, 2026. triumgallery.com/en/il-mercato-dellarte-nel-2026/↩︎
  4. „The Ultimate Art Market 2026 Report.” Aurora Athena, 2026. Die K-förmige Divergenz und die Krise des Mittelsegments werden dort detailliert analysiert.↩︎
  5. „Five Art Market Shifts That Will Matter in 2026.” Women in Arts Network, Dezember 2025. womeninartsnetwork.com/five-art-market-shifts-that-will-matter-in-2026/↩︎
  6. „Selling Art on Commission Is Unfair to Artists. Here’s Why a Direct-to-Consumer Approach Is the Future of the Art Market.” Artnet News, 2024. news.artnet.com/art-world/direct-consumer-art-sales-2035421↩︎
  7. Art Basel & UBS Survey of Global Collecting 2025. Vgl. auch: „Art Market Research.” UBS Global, 2026. ubs.com/global/en/our-firm/art/art-market-research.html↩︎
  8. „Selling Art on Commission Is Unfair to Artists. Here’s Why a Direct-to-Consumer Approach Is the Future of the Art Market.” Artnet News, 2024. news.artnet.com/art-world/direct-consumer-art-sales-2035421↩︎
  9. „THIS is the future of the NEW art renaissance (2026 art trends).” Milan Art Institute, 2025. milanartinstitute.com/blog/this-is-the-future-of-the-new-art-renaissance-2026-art-trends↩︎
  10. „Art Market Outlook 2026.” Trium Art Gallery, 2026. triumgallery.com/en/il-mercato-dellarte-nel-2026/↩︎
  11. Vgl. das Patronage-Programm der Künstlerin Ellen Mote:
    ellenmoteart.com/patron-program. Zitiert in: „Die globale Malerei-Ökonomie 2026.” Notebook LM / Gemini-Recherche.↩︎
  12. „Best Monetization Models for Creators and Businesses in 2026.” EzyCourse, 2026. ezycourse.com/blog/best-monetization-models-for-creators. Vgl. auch Patreon-Nutzungsdaten: fueler.io/blog/patreon-usage-revenue-valuation-growth-statistics↩︎
  13. „The Ultimate Art Market 2026 Report: Survive the Revolutionary Shift.” Aurora Athena, 2026. auroraathena.com/journal/insights/art-market-2026-report/↩︎
  14. „Art Basel unveils leading galleries and highlights for its 2026 flagship show.” Art Basel, 2026. artbasel.com/stories/art-basel-unveils-leading-galleries-and-first-highlights-for-its-2026-flagship-show-in-basel↩︎
  15. „Sustainable consumption.” European Commission. commission.europa.eu/topics/consumers/consumer-rights-and-complaints/sustainable-consumption_en. Vgl. auch: „Sustainability in Art 2026.” Cosimo Art. cosimo.art/blog/sustainability-in-art/↩︎
  16. „2026 Art Trends Forecast: 7 Key Art World Projections for The Year Ahead.” Maddox Gallery / Mario Zonias, 2026. maddoxgallery.com/news/494-2026-art-trends-forecast-7-key-art-world/↩︎
  17. „2026 Art Trends Forecast: 7 Key Art World Projections for The Year Ahead.” Maddox Gallery / Mario Zonias, 2026. maddoxgallery.com/news/494-2026-art-trends-forecast-7-key-art-world/↩︎
  18. „Art Market Outlook 2026.” Trium Art Gallery, 2026. triumgallery.com/en/il-mercato-dellarte-nel-2026/↩︎
  19. „2026 Art Trends Forecast: 7 Key Art World Projections for The Year Ahead.” Maddox Gallery / Mario Zonias, 2026. maddoxgallery.com/news/494-2026-art-trends-forecast-7-key-art-world/↩︎
  20. „2026 Art Trends Forecast: 7 Key Art World Projections for The Year Ahead.” Maddox Gallery / Mario Zonias, 2026. maddoxgallery.com/news/494-2026-art-trends-forecast-7-key-art-world/↩︎
  21. „2026 Trends in Contemporary Art: What Artists, Curators & Collectors Are Talking About.” Timestamp Art, 2026. timestamp-art.com/2026-trends-contemporary-art/↩︎
  22. „Art market 2026 predictions: underwhelming rebound and another Frieze fair.” The Art Newspaper, 31.12.2025. theartnewspaper.com/2025/12/31/predicting-art-market-trends-2026-underwhelming-rebound-and-another-frieze-fair. Zum „Domestic Scale”-Trend vgl. auch: „Four Contemporary Art Trends for 2026.” Affordable Art Fair. affordableartfair.com/inspiration/four-contemporary-art-trends-2026/↩︎
  23. „5 Themes That Will Define the Art Market in 2026.” Artsy, 14. Januar 2026. artsy.net/article/artsy-editorial-5-themes-will-define-art-market-2026↩︎
  24. „Contemporary African Art in 2026.” Galleria Damiani, 2026. galleriadamiani.com/en/blogs/notizie/contemporary-african-art-2026↩︎
  25. „Ideas of Africa: Portraiture and Political Imagination.” MoMA, 2026. press.moma.org/exhibition/ideas-of-africa/. Vgl. auch: „Rethinking Africa Through Portraiture.” Aesthetica Magazine.
    aestheticamagazine.com/the-image-as-passage-rethinking-africa-through-portraiture/↩︎
  26. „Contemporary African Art in 2026.” Galleria Damiani, 2026. galleriadamiani.com/en/blogs/notizie/contemporary-african-art-2026↩︎
  27. „MoMAA African & Diaspora Art Market Outlook 2026.” MoMAA, 2026. momaa.org/momaa-african-diaspora-art-market-outlook-2026/. Vgl. auch: „What Black Artists Can Look Forward to in 2026.” Afam Point of View. afampointofview.com/what-black-artists-can-look-forward-to-in-2026-in-the-midst-of-economic-challenges/↩︎
  28. „MoMAA African & Diaspora Art Market Outlook 2026.” MoMAA, 2026. momaa.org/momaa-african-diaspora-art-market-outlook-2026/. Vgl. auch: „What Black Artists Can Look Forward to in 2026.” Afam Point of View. afampointofview.com/what-black-artists-can-look-forward-to-in-2026-in-the-midst-of-economic-challenges/↩︎
  29. „Contemporary African Art in 2026.” Galleria Damiani, 2026. galleriadamiani.com/en/blogs/notizie/contemporary-african-art-2026↩︎
  30. „The Ultimate Art Market 2026 Report: Survive the Revolutionary Shift.” Aurora Athena, 2026. auroraathena.com/journal/insights/art-market-2026-report/↩︎
  31. „The Art Market Enters 2026 With Renewed Confidence and a Sharper K-Shape Divide.” Observer, Januar 2026. observer.com/2026/01/art-market-outlook-2026-arttactic-survey/↩︎
  32. „2026 Group Exhibition Beyond the Context.” Tang Contemporary Art, 2026. tangcontemporary.com/2026-beyond-context↩︎
  33. „Rising Voices: Contemporary Art from Asia, Australia and the Pacific.” V&A, 2026. vam.ac.uk/articles/about-the-exhibition-rising-voices-contemporary-art-from-asia-australia-and-the-pacific. Vgl. auch: artcollector.net.au/va-announces-rising-voices-major-asia-pacific-contemporary-art-exhibition/↩︎
  34. „25th Biennale of Sydney 2026.” Vgl.: „Sydney Biennale 2026: Hoor Al Qasimi unveils expansive program for 25th edition.” The Guardian, 3.2.2026. theguardian.com/culture/2026/feb/03/sydney-biennale-2026-hoor-al-qasimi-unveils-expansive-program-for-25th-edition↩︎
  35. „Art as a Safe Haven in 2026: Inflation, Rates & Geopolitical Risk.” Galeria Cortina, 2026. galeriacortina.com/blog/34-art-as-a-safe-haven-in-2026-inflation/↩︎
  36. Zitiert in den Gemini-Recherchen; vgl. AS/COA-Programm:
    as-coa.org/issue-category/arts-culture↩︎
  37. „The Ultimate Art Market 2026 Report.” Aurora Athena, 2026. Die K-förmige Divergenz und die Krise des Mittelsegments werden dort detailliert analysiert.↩︎
  38. „Trump’s tariffs send art market scrambling.” The Art Newspaper, 7.4.2025. theartnewspaper.com/2025/04/07/trump-tariffs-scramble-art-market-uncertainty-confusion↩︎
  39. „4 Ways Trump’s Tariffs Have Changed Art Collecting in 2025.” Artsy, 7.8.2025. artsy.net/article/artsy-editorial-4-ways-trumps-tariffs-changed-art-collecting-2025↩︎
  40. „4 Ways Trump’s Tariffs Have Changed Art Collecting in 2025.” Artsy, 7.8.2025. artsy.net/article/artsy-editorial-4-ways-trumps-tariffs-changed-art-collecting-2025↩︎
  41. „Trump’s Tariffs Impact Global Art Market in April 2025.” Aurora Athena, April 2025. auroraathena.com/journal/insights/trumps-tariffs-art-market/↩︎
  42. „NEA hit with grant cuts after Trump administration’s call for elimination.” NPR, 3.5.2025. npr.org/2025/05/03/nx-s1-5385888/sweeping-cuts-hit-nea-after-trump-administration-calls-to-eliminate-the-agency↩︎
  43. „Why Hollywood Should Care About Arts Funding.” The Hollywood Reporter / Creative Coalition, 22.7.2025. hollywoodreporter.com/news/politics-news/nea-arts-funding-trump-creative-coalition-1236325344/↩︎
  44. „NEA’s New Grant Rules Imperil Funding for Arts Programs in Underserved Communities.” Artnet News, 10.2.2025. news.artnet.com/art-world/cancelled-nea-grants-for-underserved-audiences-2606683↩︎
  45. „How Trump Impacted Arts and Culture in 2025.” Hyperallergic, 17.12.2025. hyperallergic.com/how-trump-impacted-arts-and-culture-in-2025/↩︎
  46. „Trump’s Tariffs Impact Global Art Market in April 2025.” Aurora Athena, April 2025. auroraathena.com/journal/insights/trumps-tariffs-art-market/↩︎
  47. „Biennale Arte 2026: In Minor Keys.” La Biennale di Venezia, 2026. labiennale.org/en/art/2026↩︎
  48. „Venice Biennale Moves Forward with Koyo Kouoh’s 2026 Exhibition, Titled ‘In Minor Keys’.” ARTnews, 27.5.2025. artnews.com/art-news/news/venice-biennale-koyo-kouoh-2026-in-minor-keys-1234743556/↩︎
  49. „Curatorial Text by Koyo Kouoh.” La Biennale di Venezia, 2026. labiennale.org/en/art/2026/curatorial-text-koyo-kouoh↩︎
  50. „Biennale Arte 2026: 111 Artists Announced for ‘In Minor Keys’.” ART AFRICA Magazine, Februar 2026. artafricamagazine.org/biennale-arte-2026-111-artists-announced-for-in-minor-keys-curated-by-koyo-kouoh/↩︎
  51. „Art Market Outlook for 2026: Navigating a New Landscape.” ArtRewards, 2026. artrewards.net/editorial/art-market-outlook-for-2026-navigating-a-new-landscape↩︎
  52. „Best Monetization Models for Creators and Businesses in 2026.” EzyCourse, 2026. ezycourse.com/blog/best-monetization-models-for-creators. Vgl. auch Patreon-Nutzungsdaten: fueler.io/blog/patreon-usage-revenue-valuation-growth-statistics↩︎
  53. „Survey: Mapping Socially Engaged Arts in Europe.” European Cultural Foundation, 2026. culturalfoundation.eu/stories/mapping-socially-engaged-arts-in-europe/↩︎
  54. „Art Materials Market Size, Trends & Forecast, 2026–2033.” Coherent Market Insights, 2026. coherentmarketinsights.com/industry-reports/art-materials-market↩︎
  55. „Art Market Outlook 2026.” Trium Art Gallery, 2026. triumgallery.com/en/il-mercato-dellarte-nel-2026/↩︎
  56. Art Basel & UBS Survey of Global Collecting 2025. Vgl. auch: „Art Market Research.” UBS Global, 2026. ubs.com/global/en/our-firm/art/art-market-research.html↩︎
  57. „Art market 2026 predictions: underwhelming rebound and another Frieze fair.” The Art Newspaper, 31.12.2025. theartnewspaper.com/2025/12/31/predicting-art-market-trends-2026-underwhelming-rebound-and-another-frieze-fair. Zum „Domestic Scale”-Trend vgl. auch: „Four Contemporary Art Trends for 2026.” Affordable Art Fair. affordableartfair.com/inspiration/four-contemporary-art-trends-2026/↩︎
  58. „Five Art Market Shifts That Will Matter in 2026.” Women in Arts Network, Dezember 2025. womeninartsnetwork.com/five-art-market-shifts-that-will-matter-in-2026/↩︎
  59. „The Ultimate Art Market 2026 Report.” Aurora Athena, 2026. Die K-förmige Divergenz und die Krise des Mittelsegments werden dort detailliert analysiert.↩︎
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Cornelia Es Said ist bildende Künstlerin und Publizistin in Berlin. Ihre figurative Ölmalerei und ihre Essays kartografieren Machtstrukturen, digitale Infrastrukturen und demokratische Erosion. Mehr zu ihrer Malerei: corneliaessaid.de.

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